Der Sanitär- und Haustechnik-Großhändler Richter+Frenzel hat in Reichertshofen ein neues Verwaltungsgebäude errichtet und verzichtet dabei auf eine konventionelle Klimaanlage. Stattdessen kommen aktivierte Gipskartondecken des Herstellers Zehnder zum Einsatz. Das Projekt ist bemerkenswert: Ein Großhändler, der selbst Haustechnik vertreibt, testet die Technologie an der eigenen Immobilie. Für Planer und ausführende Gewerke liefert das Referenzobjekt Praxisdaten zur Energieeffizienz und Raumklimaqualität von Flächenkühlsystemen.
Aktivierte Decken statt Split-Geräte
Aktivierte Gipskartondecken integrieren Rohrleitungen direkt in die Deckenkonstruktion. Kaltes oder warmes Wasser durchströmt die Leitungen und gibt Temperatur an die Raumluft ab – ohne sichtbare Lüftungsgitter oder Gebläse. Anders als Split-Klimaanlagen arbeiten diese Systeme geräuschlos und erzeugen keine Zugluft. Die Oberflächentemperatur der Decke bleibt nahe an der Raumtemperatur, typischerweise nur wenige Grad Unterschied.
Das Prinzip ist aus dem Fußbodenheizungsbau bekannt, wird hier aber auf die Deckenfläche übertragen. Gerade in Verwaltungsgebäuden mit offenen Büroflächen bietet das Vorteile: Die gesamte Deckenfläche wirkt als Kühlfläche, ohne den Grundriss mit Standgeräten oder Kanälen einzuschränken. Für Maler- und Spachteltechnik-Betriebe, die solche Baustellen betreuen, bedeutet das: Keine Rücksicht auf nachträglich montierte Lüftungsauslässe, keine Lackierung von sichtbaren Klimageräten.
Energiebilanz und Betriebskosten im Fokus
Richter+Frenzel entschied sich bewusst für die Zehnder-Lösung, um Energieverbrauch und Betriebskosten zu senken. Aktivierte Deckensysteme arbeiten mit niedrigen Vorlauftemperaturen – im Sommer typischerweise 16 bis 18 Grad Celsius für die Kühlung. Das ermöglicht den Anschluss an Wärmepumpen oder Fernkälte mit geringem Strombedarf. Konventionelle Klimaanlagen hingegen benötigen höhere Kompressorleistung, um Luft auf 10 bis 12 Grad zu kühlen.
Die Investition in Flächensysteme liegt zwar über der von Standard-Split-Geräten, rechnet sich aber über niedrigere Betriebskosten. Zudem entfällt der Wartungsaufwand für Filter und Ventilatoren. Für Richter+Frenzel, das im Großhandel auf langfristige Partnerschaften setzt, ist die Referenz an der eigenen Immobilie ein glaubwürdiges Argument im Vertrieb gegenüber Planern und Installateuren.
Gesundes Raumklima ohne Zugluft
Ein zentraler Vorteil der Zehnder Klimadecken liegt in der Behaglichkeit. Da die Temperaturabgabe über Strahlung erfolgt und nicht über Konvektion, bleibt die Luftbewegung minimal. Das verhindert das typische Trockenheitsgefühl in klimatisierten Räumen und reduziert die Aufwirbelung von Staub. Für Büroarbeitsplätze bedeutet das weniger Beschwerden über trockene Schleimhäute oder Zugerscheinungen.
Zusätzlich erlaubt das System eine individuelle Zonenregelung. Einzelne Bürobereiche lassen sich unabhängig voneinander temperieren, ohne dass Luftkanäle neu dimensioniert werden müssen. Diese Flexibilität ist gerade in Verwaltungsbauten mit wechselnder Raumnutzung ein Pluspunkt. Auch bei späteren Umbauten oder Umnutzungen bleibt die Deckeninfrastruktur nutzbar, solange die Deckenkonstruktion selbst nicht angetastet wird.
Integration in die Deckenkonstruktion
Die technische Umsetzung erfordert enge Abstimmung zwischen Trockenbauer, Installateur und gegebenenfalls Maler. Die Rohrleitungen werden vor der Beplankung mit Gipskarton verlegt. Anschließend erfolgt die Spachtelmasse-Behandlung der Stöße und eine Oberflächenbehandlung. Da die Decke als Kühlfläche wirkt, ist eine gleichmäßige Wärmeübergabe wichtig – Hohlräume oder ungleichmäßige Spachtelschichten würden die Leistung mindern.
Für Maler, die in solchen Projekten die Endbeschichtung übernehmen, gilt: Die Decke sollte atmungsaktiv bleiben, um Kondensationsrisiken zu minimieren. Dampfdichte Lacke oder zu dicke Dispersionsfarbe-Schichten können die Feuchteregulierung stören. Zehnder und andere Hersteller geben Verarbeitungshinweise, welche Beschichtungssysteme geeignet sind.
Praxistest mit Signalwirkung
Dass ein Großhändler die Technologie im eigenen Haus einsetzt, ist mehr als eine Baugenehmigung. Richter+Frenzel kann nun aus eigenem Betrieb berichten, wie sich die Klimadecken im Tagesgeschäft bewähren – ein Argument, das im B2B-Vertrieb zählt. Referenzobjekte, bei denen der Bauherr gleichzeitig Branchenakteur ist, gelten als besonders glaubwürdig.
Für Planer und Verarbeiter liefert das Projekt Daten zur Dimensionierung und zur Integration in den Bauablauf. Die Entscheidung gegen konventionelle Klimaanlagen zeigt zudem, dass Flächensysteme auch in gewerblichen Neubauten wirtschaftlich darstellbar sind – nicht nur in hochpreisigen Sanierungen oder öffentlichen Bauten. Mit Blick auf künftige Energiestandards und steigende Stromkosten könnte die Technologie in Verwaltungsbauten weiter an Bedeutung gewinnen.
Markteinordnung und Wettbewerb
Zehnder ist nicht der einzige Anbieter aktivierter Deckensysteme. Hersteller wie Knauf, Uponor oder Lindner bieten vergleichbare Lösungen. Die Systeme unterscheiden sich in Rohrführung, Deckenbauart (Gipskarton, Metalldecke, Segmentdecke) und Regelungstechnik. Zehnder positioniert sich im mittleren bis oberen Preissegment und setzt auf Komplettsysteme mit integrierter Regelung.
In Deutschland und Österreich wächst der Markt für Flächenkühlsysteme, getrieben durch Energieeffizienzanforderungen und den Wunsch nach zugluftfreien Arbeitsplätzen. Besonders in Büro- und Verwaltungsbauten mit Nachhaltigkeitszertifizierung (DGNB, LEED) sind solche Systeme inzwischen Standard. Für das Malerhandwerk bedeutet das: Kenntnisse in der Oberflächenbehandlung aktivierter Bauteile werden zunehmend nachgefragt – sei es bei Neubau-Erstbeschichtungen oder späteren Renovierungen.
Das Projekt in Reichertshofen zeigt, dass sich auch mittelständische Bauherren für solche Systeme entscheiden, wenn die Betriebskostenbilanz überzeugt. Für Verarbeiter ist das eine Chance, sich in einem wachsenden Segment zu positionieren – vorausgesetzt, die Verarbeitungsrichtlinien und die Koordination mit anderen Gewerken werden ernst genommen.