Fahrner Parkett + Bodenbeläge aus Ilsfeld hat einen Leitfaden zur Pflege verschiedener Bodenbeläge veröffentlicht. Der Betrieb will damit Kunden nach dem Kauf an sich binden und als Fachbetrieb sichtbar bleiben. Die Strategie: Statt nur zu verlegen, bietet das Unternehmen kontinuierlich Pflegehinweise, Wartungsprodukte und Service – ein klassisches Instrument im Nachverkauf, das regionalen Handwerksbetrieben hilft, gegen Online-Konkurrenz und Baumärkte zu bestehen.

Nachverkauf als Antwort auf den Preisdruck

Bodenleger stehen unter wachsendem Druck: Baumärkte verkaufen Fertigparkett, Klickvinyl und Laminat zum Discount-Preis. Online-Shops liefern Pflegemittel und Zubehör frei Haus. Wer als regionaler Fachbetrieb mithalten will, muss nach der Verlegung Mehrwert liefern. Fahrner Parkett geht diesen Weg konsequent: Der Betrieb positioniert sich als Berater über den gesamten Lebenszyklus des Bodens – von der Auswahl über die Verlegung bis zur langfristigen Pflege.

Die veröffentlichten Pflegehinweise decken alle gängigen Bodenarten ab: Parkett, Laminat, Kork, Vinyl und textile Beläge. Jeder Bodentyp bekommt konkrete Empfehlungen zur täglichen Reinigung, Intervallpflege und Nachbehandlung. Kunden erhalten keine abstrakten Tipps, sondern handlungsorientierte Anleitungen – inklusive der Produkte, die der Betrieb selbst führt oder empfiehlt.

Content-Marketing als Kundenbindungs-Instrument

Fahrner nutzt die Pflegeberatung auch als Content-Marketing-Werkzeug. Der Leitfaden ist auf der Website des Betriebs abrufbar und wird über Social Media geteilt. Das Ziel ist nicht primär Neukundengewinnung, sondern Kundenbindung: Wer nach drei Jahren seinen Parkettboden nachölen will, soll sich an Fahrner erinnern – nicht an den Baumarkt oder einen Online-Shop.

Dieser Ansatz hat System: Statt auf einmalige Großaufträge zu setzen, baut der Betrieb langfristige Kundenbeziehungen auf. Die Pflegeberatung ist der erste Kontaktpunkt nach der Verlegung. Danach folgen Wartungsangebote, Auffrischungsdienste oder der Verkauf von Pflegeprodukten. Der Betrieb bleibt präsent – und verdient über Jahre hinweg am selben Kunden.

Warum Content für Handwerksbetriebe funktioniert

Content-Marketing ist im Handwerk noch immer die Ausnahme. Viele Betriebe setzen auf klassische Werbung, Empfehlungen oder Google-Anzeigen. Fahrner zeigt, dass auch kleine Maßnahmen Wirkung erzielen: Ein gut strukturierter Pflegeleitfaden kostet wenig, bindet aber Kunden, die bereits Vertrauen haben. Die Inhalte lassen sich zudem mehrfach nutzen – auf der Website, in Newslettern, als Flyer beim Vor-Ort-Termin.

Besonders im Bodenbelag-Segment ist dieser Ansatz sinnvoll: Viele Endkunden kaufen nur alle zehn bis fünfzehn Jahre einen neuen Boden. Dazwischen liegt eine lange Phase, in der Pflege und Wartung im Vordergrund stehen. Wer als Betrieb in dieser Phase sichtbar bleibt, hat im Nachverkauf deutliche Vorteile.

Regionale Handwerksbetriebe unter Druck

Die Strategie von Fahrner ist kein Zufall, sondern eine Reaktion auf strukturelle Veränderungen im Handwerk. Drei Trends erhöhen den Druck auf regionale Betriebe:

Erstens: Der Online-Handel wächst auch im Baubereich. Plattformen wie Idealo oder Amazon verkaufen Pflegemittel, Farben und Kleinmaterial deutlich günstiger als der Fachhandel. Viele Kunden kaufen nach der Handwerkerleistung online nach – der Betrieb verliert den Nachverkauf.

Zweitens: Baumärkte bieten zunehmend Komplettservices an. Hornbach, Obi und Bauhaus vermitteln Handwerker oder bieten eigene Verlegedienste. Der regionale Bodenleger konkurriert nicht mehr nur mit anderen Betrieben, sondern mit systemischen Anbietern, die Marketing-Budgets in Millionenhöhe haben.

Drittens: Fachkräftemangel begrenzt das Wachstum. Viele Betriebe könnten mehr Aufträge annehmen, finden aber keine Mitarbeiter. Nachverkauf und Service sind personalschonender als Neuverlegungen – und binden trotzdem Kundschaft. Ein Thema, das auch in anderen Gewerken relevant wird, etwa bei Sanierungsbetrieben im Malerhandwerk.

Welche Maßnahmen wirken noch?

Fahrner zeigt einen Weg, aber nicht den einzigen. Andere Betriebe setzen auf folgende Instrumente:

Wartungsverträge: Manche Bodenleger bieten jährliche Inspektionen oder Pflegedurchgänge an – gegen Pauschalgebühr. Das schafft planbare Umsätze und regelmäßigen Kundenkontakt.

Produktverkauf vor Ort: Statt Kunden an den Baumarkt zu verlieren, führen Betriebe eigene Pflegeprodukte oder arbeiten mit Herstellern wie Adler Lacke oder Brillux zusammen, die auch Bodenpflege-Sortimente anbieten. Externe Anbieter wie Adler bieten für Handwerksbetriebe Partnerprogramme an.

Newsletter und Erinnerungen: Automatisierte E-Mails nach sechs oder zwölf Monaten erinnern Kunden an Pflegemaßnahmen. Das erfordert CRM-Systeme, die auch für kleine Betriebe bezahlbar sind.

Workshops und Beratungstage: Einige Betriebe laden Kunden zu Pflegeworkshops ein – vor Ort oder digital. Das stärkt die Kundenbindung und positioniert den Betrieb als Experten.

Was Malerbetriebe davon lernen können

Die Logik funktioniert auch im Malerhandwerk: Fassadenanstriche halten zehn bis fünfzehn Jahre, danach stehen Nacharbeiten an. Innenfarben müssen nach fünf bis acht Jahren erneuert werden. Wer Kunden nach dem Auftrag nicht aus den Augen verliert, sichert sich Folgeaufträge. Content wie Pflegehinweise für Dispersionsfarbe oder Tipps zur Lasur-Auffrischung können dabei helfen.

Auch Produktverkauf lohnt sich: Viele Malerbetriebe führen keine Grundierung, Nachstreichfarbe oder Pflegeprodukte im Sortiment – obwohl die Marge oft höher ist als bei reinen Dienstleistungen. Wer als Fachbetrieb auftritt, kann hier punkten.

Fazit: Kundenbindung statt Einmalkontakt

Fahrner Parkett zeigt, dass auch kleine, regional tätige Handwerksbetriebe gegen Online-Konkurrenz und Baumärkte bestehen können – wenn sie den Kundenkontakt nach dem Auftrag nicht abreißen lassen. Pflegeberatung, Content-Marketing und gezielter Nachverkauf sind kostengünstige Instrumente, die langfristig wirken. Der entscheidende Punkt: Der Betrieb positioniert sich nicht nur als Dienstleister, sondern als dauerhafter Partner für den Kunden.

Für Malerbetriebe, Stuckateure und andere Ausbaugewerke bietet diese Strategie Potenzial – gerade in Zeiten, in denen Fachkräftemangel und Preisdruck das Wachstum begrenzen. Wer bestehende Kunden hält, muss weniger Neukunden gewinnen – und spart Marketing-Budget.

Quellen